Virtuelle Moleküle für reale Medikamente
Die Pharmazeutin Outi Salo-Ahen
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Outi Salo-Ahen (Foto: Michael Papadopoulos).  |
Wirkungsvolle Arzneien werden nicht mehr allein im Labor, sondern auch am virtuellen Reißbrett entworfen. Die finnische Pharmazeutin Outi Salo-Ahen forscht mit Hilfe von Computermodellen nach molekular maßgeschneiderten Wirkstoffen gegen Krankheiten wie Krebs. In Heidelberg findet sie hierfür ideale Bedingungen.
Outi Salo-Ahen ist begeistert von der Geschichte der Arzneikunde. Allerdings hat sie selbst mit dem traditionellen Extrahieren von Wirkstoffen aus Pflanzen und dem Mischen von Salben oder Tinkturen nichts mehr zu tun, denn ihren Arbeitsplatz hat die Finnin in einem sehr modernen Zweig der pharmazeutischen Forschung gefunden, dem so genannten Molecular Modelling. Hierbei handelt es sich um die computergestützte Simulation von biologischen Vorgängen, wie sie in Organismen auf molekularer Ebene ablaufen. Solche Simulationen können Anhaltspunkte geben, wie Krankheiten entstehen und wie sie behandelt werden können. In ihrer Forschung versucht die Skandinavierin, maßgeschneiderte Medikamente für die Behandlung von Krebs zu entwickeln. Die ermittelten Schnittmuster gibt sie an Kooperationspartner der Universität Modena in Italien weiter. Dort werden die entsprechenden chemischen Verbindungen hergestellt. Im Laborversuch zeigt sich dann, ob die vorgeschlagenen "Maßanzüge" passen und die gewünschte biologische Wirkung zeigen.
Outi Salo-Ahen erforscht die Arzneimittelresistenz des Enzyms Thymidylatsynthase, hier als 3-D-Struktur dargestellt (Foto: Outi Salo-Ahen). Klicken Sie hier für ein größeres Bild.  | Dieser Arbeit geht Salo-Ahen als Stipendiatin der Alexander von Humboldt-Stiftung an einem Forschungsinstitut in Heidelberg nach. Ihr Arbeitsplatz liegt ganz in der Nähe des Heidelberger Schlosses, auf dem Gelände der Villa Bosch. Seit April 2006 arbeitet Salo-Ahen dort in der Gruppe von Rebecca Wade bei EML Research, dem aus der European Media Laboratory GmbH hervorgegangenen Forschungsinstitut der Klaus Tschira Stiftung. Ein Studienkollege an der Universität Kuopio hatte Salo-Ahen auf diese private Forschungseinrichtung aufmerksam gemacht, die sich sowohl mit Grundlagenforschung als auch mit angewandter Forschung auf dem Gebiet der Informationstechnik befasst. Nach einem kurzen E-Mail-Wechsel mit EML Research und der Zusage für Stipendien durch die Humboldt-Stift ung und finnische Stiftungsträger war ein zweijähriger Forschungsaufenthalt in Deutschland gesichert. Für die Finnin ist es bereits der dritte wissenschaftliche Aufenthalt, denn schon für ihre Diplomarbeit und auch während der Doktorarbeit forschte Salo-Ahen in Deutschland. Bei Hans-Dieter Höltje an der Universität Düsseldorf ist sie das erste Mal mit der virtuellen Pharmazie in Berührung gekommen. "Ich wollte meine Diplomarbeit gerne im Ausland schreiben", erklärt die Pharmazeutin. "Da boten sich Düsseldorf und das Gebiet des Molecular Modelling für mich an."
Ursprünglich plante Salo-Ahen, ihr Studium mit dem Diplom abzuschließen. "Wissenschaftliche Ergebnisse zu diskutieren und zu verteidigen, konnte ich mir nicht so recht für mich vorstellen." Aber nach der Diplomarbeit ließ sie die Begeisterung für die Forschung nicht mehr los. "Ich gehe den Dingen gerne im Detail auf den Grund und kann dabei auch äußerst beharrlich sein." Dass sie in ihrem faustischen Drang nach umfassender Kenntnis einer guten Sache dient, nämlich der Erforschung neuer Medikamente und Behandlungsmethoden, ist für sie ein zusätzlicher Ansporn.
Finnische Initiativen, deutsche Stärken
Ihr Heimatland ist dabei, mit ehrgeizigen Förder- und Investitionsprogrammen die Nachteile der geografischen Randlage in Europa wettzumachen. An der Universität in Kuopio wurde beispielsweise das Drug Research and Development Centre gegründet, das vor allem die Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft fördert. Die nationale Agentur Tekes und der Staatsfonds Sitra unterstützen Unternehmensgründungen im Land mit Anschubfinanzierung und Beratung. Gute Bedingungen also für Wissenschaft und Forschung. Warum zieht es eine junge finnische Nachwuchswissenschaftlerin trotzdem immer wieder nach Deutschland? Aus zweierlei Gründen, erklärt Salo-Ahen: In der internationalen Forschung nehme Deutschland einen Spitzenplatz ein und sei stärker in den europäischen Forschungsverbund integriert - nicht zuletzt aufgrund seiner zentralen Lage. "Hier gibt es mehr hochrangige Wissenschaftler als in Finnland, wobei mein Land viel dafür tut, dass sich das ändert", meint sie. Und zweitens sei Deutschland sehr stark in der Grundlagenforschung, in der sie sich wissenschaftlich zu Hause fühle.
"Unser Arbeitsplatz ist sicher einer der schönsten in dieser Gegend": Outi Salo-Ahen im Garten der Villa Bosch (Foto: Michael Papadopoulos). Klicken Sie hier für ein größeres Bild.  |
"Meine beiden Aufenthalte in Deutschland haben sehr zu meiner wissenschaftlichen und persönlichen Entwicklung beigetragen - genau wie der momentane Aufenthalt bei EML Research dies tut", lobt sie ihre Gastgeber. Das internationale Team um die Britin Rebecca Wade - nur drei der vierzehn Gruppenmitglieder sind Deutsche - bietet eine sehr anregende und motivierende Arbeitsatmosphäre. Mit Institutionen wie dem European Molecular Biology Laboratory, dem Deutschen Krebsforschungszentrum und natürlich der Ruprecht-Karls-Universität sind in Heidelberg drei hochrangige Kooperationspartner in unmittelbarer Nähe. Außerdem unterstützen EML Research und die Klaus Tschira Stift ung die Teilnahme ihrer Mitarbeiter an internationalen wissenschaftlichen Konferenzen. Salo-Ahen sieht in Deutschland einen der besten Forschungsstandorte in Europa und meint, dass Heidelberg den internationalen Vergleich nicht zu scheuen brauche. "Ich wüsste nicht, was mir ein Postdoc-Aufenthalt in den USA mehr bieten könnte", resümiert die Finnin, die mit einem Ghanaer verheiratet ist. Mit Heidelberg hat es das kosmopolitische Paar sehr gut getroffen: Sie hat dort eine ausgezeichnete Möglichkeit, sich als Wissenschaftlerin weiterzuentwickeln, während ihr Mann nicht weit entfernt in Mainz sein Master-Studium absolvieren kann.
Durch den gemeinsamen Deutschkurs und über die Kirchengemeinde hat sich das Ehepaar schnell einen Freundeskreis in Heidelberg aufgebaut. Nicht nur bei der Arbeit genießt Salo-Ahen den Kontakt mit Menschen aus anderen Ländern und Kulturen. Auch in ihrer Freizeit hört und spricht sie gerne fremde Sprachen. An den Wochenenden unternimmt sie mit ihrem Mann und Freunden gerne Ausflüge mit dem Fahrrad. Oder die beiden laden Freunde zum Kochen ein. "Mit seiner überschaubaren Größe und der herrlichen Natur in unmittelbarer Nähe erinnert mich Heidelberg sehr an Kuopio. Die Rhein-Neckar-Region bietet ein vielseitiges kulturelles Angebot und unser Arbeitsplatz ist sicher einer der schönsten in dieser Gegend", schwärmt sie.
Die knapp 15 Kilometer von ihrer Wohnung zum Arbeitsplatz und zurück absolviert die 31-Jährige jeden Tag mit dem Fahrrad - ihr persönliches Fitnessprogramm. Auf die Frage, was sie im Winter machen wird, lächelt die Nordeuropäerin. "Mein Fahrrad und ich waren in Finnland schon bei minus 30 Grad Celsius unterwegs. Kein Grund umzusteigen", erklärt sie, "wir machen schon unseren Weg durch Schnee und Eis."
Geboren wurde Salo-Ahen in der südfinnischen Stadt Nokia. Die dort gegründete Firma gleichen Namens hat zunächst Papier, dann Gummistiefel und Reifen produziert, bevor sie sich dem Markt der Kommunikationstechnologie zuwandte. Eine interessante Parallele zur wissenschaftlichen Karriere von Salo-Ahen, die vom traditionellen Extrahieren von Pflanzentinkturen zur virtuellen Molekularbiologie kam. Vielleicht hängt es ja mit ihrer Herkunft zusammen, dass Salo-Ahen stets neugierig und offen für neue Herausforderungen ist.
| Von Michael Papadopoulos | 16.01.2008 |
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