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Martin Heidegger liegt vorn

Humboldtianer als Übersetzer - Bestandsaufnahme aus fünf Jahrgängen Bibliographia Humboldtiana

Von Nina Schmulius

Der Struwwelpeter auf chinesisch? Den gibt es seit 1996. Denn offensichtlich ist der Humboldtianer Professor Maoping Wei ein wenig märchenverrückt. Zumindest, wenn man seine Übersetzungen deutscher Publikationen aus den Jahren 1995 und 1996 ansieht. Dort finden sich neben dem "Struwwelpeter" von Heinrich Hoffmann auch noch die Märchen der Brüder Grimm.

Immer wieder fallen Humboldtianer als Übersetzer auf. Zu den etwa 3.000 Publikationen, die sie jedes Jahr der Stiftung bekannt geben, haben sich Übersetzungen als fester Bestandteil etabliert. Allein in den vergangenen fünf Jahren zählte die Bibliographia Humboldtiana rund 300 Übersetzungen. Die wirkliche Zahl von Übersetzungen durch Humboldtianer dürfte noch höher liegen: Nicht immer werden alle Publikationen bei der Stiftung eingereicht. Und natürlich ist das Datenmaterial nicht repräsentativ. Dennoch scheint es, dass Polen mit 70 Übersetzungen die Statistik der Bibliographia Humboldtiana von 1996 bis 2000 vor rund 30 Ländern anführt. Allen voran die Polin Dr. Izabela Sellmer: Mit 21 Übersetzungen während der Jahre 1996 bis 1999 lässt sie ihre - meist männlichen - Kollegen weit hinter sich. Frau Sellmer beschäftigte sich vor allem mit Veröffentlichungen, die über das Thema Deutschland nach 1945, die sozialgeschichtlichen Aspekte der DDR oder die Historie Europas behandeln. Neben Professor Stefan Kaszynski, ebenfalls polnischer Germanist, liefert auch der polnische Politikwissenschaftler Professor Tomasz Grzegorz Pszczolkowski einen großen Teil der insgesamt 70 Übersetzungen in die polnische Sprache. Pszczolkowski übersetzte 1993 unter anderem auch die "Ideen zu einem Versuch, die Grenzen der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen" von Wilhelm von Humboldt.

Allein Dr. Milan Pelc, Kunstwissenschaftler aus Kroatien, kann mit seinen polnischen Kollegen Schritt halten: Er übersetzte seit 1995 insgesamt 15 deutsche Publikationen aus dem kunstwissenschaftlichen und philosophischen Bereich, darunter auch Hans Georg Gadamers "Bildkunst und Wortkunst". Kroatien kommt neben der Russischen Föderation (30 Übersetzungen) und Japan (23 Übersetzungen) auf 27 Übersetzungen. Während japanische Gastwissenschaftler zahlreiche Publikationen aus den Bereichen Philosophie, Germanistik und Pädagogik bearbeiten, ist das Spektrum der Humboldtianer aus der Russischen Föderation erheblich breiter: Fachliteratur aus Psychologie und Meteorologie gehören ebenso dazu wie Werke aus Mathematik und Musikwissenschaft.

Das produktivste Land innerhalb der Europäischen Union ist Italien. Mit 16 Übersetzungen innerhalb der Jahre 1993 bis 2000 befindet es sich gleich hinter der Weltmacht Japan und sogar noch vor China (13 Übersetzungen). Die übersetzten Publikationen stammen meistens aus der Philosophie - Professor Tonino Bernardo Griffero ist einer der übersetzenden Philosophen. Auf Italien folgt Spanien mit 13 Übersetzungen. Spanische Gastwissenschaftler wie Professor Javier Barnes Vazquez transferierten vor allem juristische Werke. Der meist übersetzte deutsche Autor ist Martin Heidegger.

Welches Land liegt vorne? Die meisten Übersetzer unter den Humboldtianern kommen aus Japan. Die meisten Werke übersetzten jedoch polnische Gastwissenschaftler.
LandGastwissenschaftlerÜbersetzungen
Argentinien11
Australien212
Belgien11
Bulgarien13
China613
Deutschland58
Estland11
Finnland12
Frankreich34
Georgien12
Griechenland15
Großbritannien22
Indien11
Italien616
Japan1423
Jugoslawien27
Kolumbien12
Korea711
Kroatien727
Litauen14
Polen1070
Rumänien67
Russische Föderation1330
Schweiz11
Slowenien22
Spanien413
Tschechische Republik25
Ungarn413
USA67

17.04.2002
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Nina Schmulius ist freie Journalistin in Berlin.

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