Die 1980er und frühen 90er Jahre
Vor und nach dem Fall des Eisernen Vorhangs
Von Heike Jöns
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Die Bewerberzahlen für Humboldt-Stipendien erreichten 1980 - 1981 einen vorläufigen Höchststand, der erst 1988 übertroffen wurde. Dies ist ein Anzeichen dafür, dass die Potenziale an Bewerbern in der gegebenen weltpolitischen Situation zunächst ausgeschöpft waren.
Die regionalen Schwerpunkte der Förderung verschoben sich in dieser Zeit jedoch von Asien auf Osteuropa. Zwischen 1980 und 1989 war die Zahl der Bewerbungen aus Indien erstmals rückläufig und verringerte sich um fast die Hälfte. Aus Japan, dessen Wissenschaftler sich wie die Wissenschaftler aus Indien verstärkt in Richtung USA orientierten, trafen um ein Drittel weniger Bewerbungen ein. Dagegen hatten sich die Bewerbungen aus Polen im Zeitraum 1980 - 1989 mehr als verdoppelt. Auch aus Ungarn, das bereits in den 1980er Jahren mit einem umfassenden Reformprozess begonnen hatte, kamen besonders viele Stipendiaten. Ein Bewerberboom erfolgte auch in Frankreich, das dadurch zum häufigsten EU-Herkunftsland von Bewerbern und Stipendiaten wurde.
Humboldt-Stipendiaten nach Heimatländern, 1984-1993. Klicken Sie hier für ein größeres Bild (Grafik: Jöns).
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Außenpolitisch waren die 1980er Jahre durch deutsch-deutsche Sonderbeziehungen geprägt, die einen zunehmenden Dialog, Vereinbarungen über bilaterale Wirtschafts- und Kulturbeziehungen und neue Reiseerleichterungen bedeuteten. Als Ende der 1980er Jahre Michail Gorbatschow, seit 1988 Staatsoberhaupt der Sowjetunion, mit seiner Forderung nach Glasnost (Transparenz) und Perestroika (Umgestaltung) eine neue Ära der Reformen in der Sowjetunion und im Warschauer Pakt eingeleitet hatte, war der Weg für einen weitgehend friedlichen politischen Wandel in den Ostblockstaaten und die am 3. Oktober 1990 vollzogene deutsche Einheit geöffnet.
Die damit verbundenen bedeutenden weltpolitischen und innerdeutschen Umwälzungen besiegelten das Ende des Kalten Krieges. Sie führten zu enormen Veränderungen im Netzwerk internationaler Wissenschaftsbeziehungen, bedingten eine Verschiebung der Prioritäten in der deutschen Wissenschaftspolitik in Richtung Aufbau Ost und stellten auch die auswärtige Kulturpolitik vor neue Herausforderungen. Im Humboldt-Forschungsstipendienprogramm kam es am Ende des Kalten Krieges zu einer Bewerbungseuphorie in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion und den Transformationsstaaten Mittel- und Südosteuropas. Dadurch erreichte die Zahl der Bewerbungen 1990 - 1992 ihr bisheriges Maximum, auch wenn der Bewerbungsboom in den verschiedenen Herkunftsländern in Bezug auf Zeitraum, Ausmaß und Länge variierte (zum Beispiel Ungarn 1987 - 1992; Polen 1988 - 1989).
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