Chinas Weg zur Globalisierung der Forschung
Deutsch-Chinesische Zusammenarbeit in Theorie und Praxis
Von Lu Yongxiang
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Lu Yongxiang (Foto: privat).
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Das Jahr 1978: China hatte nach zehn unruhigen Jahren seine Tore erstmals wieder geöffnet. Deng Xiaoping stellte seine Politik unter das Motto "Reform und Öffnung nach außen" und bemühte sich sehr, die chinesische Forschung, Technologie und Bildung zu rehabilitieren. In das Jahr 1978 fiel auch der China-Besuch einer Delegation der Humboldt-Stiftung. An deren Spitze stand ihr damaliger Präsident, der Biochemiker Feodor Lynen. Die zwischen ihm, dem damaligen stellvertretenden Ministerpräsidenten und dem Präsidenten der Chinesischen Akademie der Wissenschaften getroffenen Abkommen legten nach knapp 30-jähriger Unterbrechung die Grundlagen für wissenschaftliche Kooperationen zwischen China und Deutschland.
Ich war damals als Dozent an der Zhejiang-Universität und beschäftigte mich mit der hydraulischen Steuerung- und Antriebstechnik. Über Publikationen war ich auf Professor Wolfgang Backe von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen aufmerksam geworden und fasste den Plan, bei ihm zu forschen. Im Jahr 1979 trat ich als einer der ersten 31 Humboldt-Stipendiaten aus China nach der Gründung der Volksrepublik China im Jahr 1949 meinen Deutschlandaufenthalt an. Die damals in Deutschland gewonnenen Eindrücke haben mich tief geprägt. Ich war beeindruckt von den modernen Verkehrs- und Kommunikationsinfrastrukturen, von dem Rechts- und Sozialstaat, von dem Umweltbewusstsein, von dem hohen allgemeinen Bildungsgrad, von der Stadtplanung, von der hohen Qualität und guten Ausstattung der Forschungsstätten. Im Vergleich dazu wurde mir klar, dass China in vielen Bereichen Nachholbedarf hatte, der nur aufgeholt werden konnte, wenn der Kurs von Reform und Öffnung und die Zusammenarbeit mit anderen Völkern auf der Grundlage der Gleichberechtigung fortgesetzt würden.
Besonders das Bildungs- und Forschungssystem in Deutschland beeindruckten mich. So ist es vielleicht kein Zufall, dass ich 1982 als erster Bürger der Volksrepublik China in der Bundesrepublik Deutschland zum Dr.-Ing. promovierte. Meine Einblicke in die Verschränkung von Theorie und Praxis in den Ingenieurwissenschaften in Deutschland waren für meine Forschungsund Lehrtätigkeiten in China und für die Funktionen, die ich dort später bekleidete, äußerst wichtig. So entwickelten meine Kollegen und ich eine neue Struktur für die engere Verknüpfung von Forschung und Lehre, als ich 1985 Vizerektor und 1988 Rektor der Zhejiang-Universität wurde. Zahlreiche Projekte entstanden in enger Zusammenarbeit mit Partnern in Deutschland. Gemeinsam mit der Technischen Universität Berlin gründeten wir ein Zentrum für "Technisches Deutsch". Mittlerweile verfügt die Zhejiang-Universität über die meisten wissenschaftlichen Beziehungen zu Deutschland nach der Tongji-Universität.
1997 wurde ich Präsident der Chinesischen Akademie der Wissenschaften - fast zwanzig Jahre nach dem eingangs geschilderten Treffen zwischen dem damaligen Präsidenten der Akademie der Wissenschaften mit dem Präsidenten der Humboldt-Stiftung, von dessen Ergebnissen ich als junger Dozent profitiert hatte. Nun da ich selbst dieses Amt bekleide, bemühe ich mich, die Zusammenarbeit mit deutschen Universitäten und Unternehmen noch mehr zu intensivieren. Inzwischen ist die Bundesrepublik Deutschland einer der wichtigen strategischen Partner der Chinesischen Akademie der Wissenschaften geworden. Ganz besonders hervorzuheben ist die enge Zusammenarbeit mit der Max-Planck-Gesellschaft: Gemeinsam richteten wir Nachwuchsgruppen am Akademie- Institut in Shanghai ein, etablierten Partnerschaftsgruppen und gründeten das Shanghai Advanced Study Institute, um nur einige Meilensteile zu nennen.
Im Jahr 1997 bin ich mit der Goldenen Diesel- Medaille ausgezeichnet worden. Am 6. März 2000 überreichte mir der deutsche Botschafter in Beijing das Bundesverdienstkreuz mit Stern. All dies empfinde ich als Auszeichnung für meinen Beitrag zur Förderung der Zusammenarbeit zwischen China und Deutschland auf den Gebieten der Forschung und Bildung. Den Beginn meiner Bemühungen um die Globalisierung von Forschung und Wissenschaft in China sehe ich aber an dem Tag, an dem mir ein Humboldt- Stipendium verliehen wurde.
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