Zwischen Forschung und Unternehmensführung
"Meine Kenntnisse der deutschen Sprache wurden interessant für zahlreiche deutsche Firmen, die auf dem polnischen Markt Fuß fassen wollten"
Von Witold Malachowski
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Witold Malachowski.
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Ich sehe diesen Herbsttag vor 24 Jahren noch genau vor mir. Meine Frau, meine beiden kleinen Kinder und mein Freund brachten mich in einem alten Fiat 125 zum Bahnhof in Warschau. Ich hatte keine Ahnung, wann ich das nächste Mal nach Hause reisen würde. Eine Reise von Polen nach Deutschland war damals für einen jungen Wissenschaftler aus Osteuropa fast unbezahlbar. Meine Familie durfte mich damals nicht nach Deutschland begleiten: Frau und Kinder mussten in Polen bleiben als Garantie dafür, dass ich zurückkommen würde. Noch heute bin ich meiner Frau dankbar, dass sie mich bei der schweren Entscheidung, allein nach Deutschland zu reisen, unterstützt hat. Dass es die richtige Entscheidung war, davon sind wir heute beide überzeugt.
Mein Forschungsaufenthalt führte mich nach Bonn, wo ich am Forschungsinstitut der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik in Bonn arbeitete. Obwohl ich von der Stiftung ein Stipendium für zwölf Monate bekommen hatte, genehmigte man mir von Seiten meines Institutes in Warschau aus unerklärlichen Gründen nur zehn Monate. Aber auch die zehn Monate waren äußerst Gewinn bringend für mich: Zwei Monate nach meiner Rückkehr nach Warschau konnte ich meine Habilitationsschrift abgeben. Ohne den Forschungsaufenthalt in Deutschland hätte es Jahre länger gedauert, fehlte es doch in meiner Heimat an ganz grundsätzlichen Dingen, wie der Möglichkeit, einige tausend Seiten Papier zu kopieren.
Bald wurde ich wissenschaftlicher Direktor des Forschungszentrums für Management und Unternehmensführung und gleichzeitig wissenschaftlicher Sekretär des Komitees für Managementwissenschaften. Nach der politischen Wende von 1989, der Geburt der freien Gewerkschaften "Solidarität" und dem Beginn der Gorbatschow-Ära, veränderte sich die Situation in Polen radikal. Ich übernahm eine neue Aufgabe als Vorsitzender einer Beratungsgruppe im Verteidigungsministerium.
Dann meldete sich die Wirtschaft. Meine Erfahrungen aus der Zeit als Stipendiat der Humboldt-Stiftung, meine Kenntnisse der deutschen Sprache wurden interessant für zahlreiche deutsche Firmen, die auf dem polnischen Markt Fuß fassen wollten. Von Bedeutung war auch mein Beitrag zur Gründung der Deutsch-Polnischen Industrie- und Handelskammer (DPIHK). Schon auf der ersten Vollversammlung wurde ich zu deren Vorstand gewählt. Seit 2001 bin ich der stellvertretende Präsident der DPIHK.
1994 übernahm ich außerdem einen Lehrstuhl als Direktor des Forschungszentrums für deutsch-polnische Wirtschaftsbeziehungen an der Wirtschaftsuniversität (SGH) in Warschau. Seit 1995 wird jedes Jahr unter meiner wissenschaftlichen Leitung ein Buch über die deutsch-polnischen Wirtschaftsbeziehungen oder über die deutsche Wirtschaft veröffentlicht. Als Initiator und Mitveranstalter organisiere ich im Rahmen der DPIHK und des Forschungszentrums ein Wirtschaftsforum: Deutschland - Polen. An dem letzten, sechsten Wirtschaftsforum im Jahre 2000 hat auch der polnische Präsident, Alexander Kwasniewski, teilgenommen. Seit 1. Juni 2001 bin ich neben zwei deutschen Kollegen im Vorstand von Volkswagen Poznan. Zusätzlich wurde ich nominiert als Repräsentant der Volkswagen AG in Polen.
Wenn ich an den Herbsttag zurückdenke, als ich in einem alten Fiat zum Warschauer Bahnhof fuhr, um mein Stipendium als Humboldt- Stipendiat anzutreten, hätte ich damals nicht zu träumen gewagt, dass ich eines Tages der polnischen Niederlassung von VW vorstehen würde. Ich kann aber offen und mit Dankbarkeit sagen: Ohne das Stipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung hätte ich das nie erreicht.
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