Meinungen

Die Stiftung bleibt sich auch im Wandel treu

Von Georg Schütte

Als die Humboldt-Stiftung vor wenigen Wochen die ersten Preisträger der millionenschweren Alexander von Humboldt-Professur verkündete, rauschte es im Pressewald und in der deutschen Wissenschaftsszene. Es gab sehr viel Lob und Zuspruch, doch auch eine besorgte Frage: Wird die Humboldt-Stiftung, deren Markenzeichen der akademische Austausch ist, zu einer Rekrutierungsagentur für den Forschungsstandort Deutschland?

Über fünf Jahrzehnte hat die Humboldt-Stiftung schließlich das Kommen und Gehen sehr gut qualifizierter Wissenschaftler nach Deutschland und aus Deutschland zurück in die Heimatländer gefördert. Nun stellt sie bis zu fünf Millionen Euro aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung für jede der Humboldt-Professuren zur Verfügung. Für fünf Jahre wird damit die Forschungsarbeit der Preisträger, die allesamt aus dem Ausland kommen müssen, in Deutschland finanziert. So soll es gelingen, in Deutschland attraktive Bedingungen für internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu schaffen und sie für viele Jahre für Deutschland zu gewinnen.

Headhunting statt Austausch?

Globales Headhunting also statt weltweiten Austauschs? Nein! Denn auch weiterhin sind die Alexander von Humboldt-Forschungsstipendien das Herz unserer Förderung. Jährlich erhalten rund 700 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus aller Welt ein Stipendium. Sie forschen als Post-Doktoranden oder erfahrene Wissenschaftler für im Schnitt eineinhalb Jahre an deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Dann kehren sie an ihre Heimatuniversitäten und in ihre Heimatlabors zurück, die Kontakte nach Deutschland bleiben jedoch für viele Jahrzehnte erhalten. Sie sind der Anker für vielfältige bi- und multilaterale Kooperationsprojekte, die sich aus den Forschungsaufenthalten in Deutschland ergeben. Sie bilden die Brücken in ihre Heimatländer, die für die Wissenschaft, aber auch die Wirtschaft und die Politik in einer globalen Welt so wichtig sind.

Diese globale Welt stellt jedoch auch Deutschland und die Humboldt-Stiftung vor neue Herausforderungen. Denn stärker als jemals zuvor messen sich Wissenschaftler heute im internationalen Wettbewerb. Die Alexander von Humboldt-Professur trägt dazu bei, dass deutsche Universitäten in diesem Wettbewerb sichtbar sind. Auch der Sofja Kovalevskaja-Preis, der jungen internationalen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die Möglichkeit gibt, an deutschen Universitäten Forschergruppen aufzubauen, hilft, diesen internationalen Glanz zu entfalten. So bleiben die deutschen Universitäten auch weiterhin international sichtbar und ein attraktiver Gastort für Humboldt-Forschungsstipendiaten aus der ganzen Welt. Und weiterhin bleibt der Humboldt-Forschungspreis eine internationale Auszeichnung für Spitzenforscher, die für bahnbrechende Leistungen geehrt werden sollen und die zeitlich befristet mit ihren deutschen Kollegen und Kolleginnen kooperieren wollen.

Exzellenz zieht Talente an

Exzellenz und Breitenwirkung schließen einander nicht aus. Wir haben uns sehr gezielt entschieden, dass es Universitäten sein sollen, an die die Alexander von Humboldt-Professoren gehen. Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen können nur gemeinsam mit deutschen Universitäten Nominierungen für diese Professur einreichen. An den Universitäten werden sich die Humboldt-Professoren übrigens in der Regel auch in der Lehre engagieren, auch wenn ihr Schwerpunkt auf der Forschung liegt. Herausragende Wissenschaftler – so lautet das kleine Einmaleins weltweiter akademischer Mobilität – ziehen den talentierten Nachwuchs an. So leuchten die Alexander von Humboldt-Professuren in die Welt und weisen den Weg an Forschungseinrichtungen in Deutschland. Diese Forschungseinrichtungen sollen um ihre Vielfalt und Stärke in vielen Teilen der Welt beneidet werden.


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