Sofja Kovalevskaja-Preis 2002 - Die Preisträger (A-H)
Tiziana Boffa Ballaran
geboren 1967; (Italien), Fachgebiet: Chemie und Physik der Minerale
Gastinstitut: Bayerisches Geoinstitut, Universität Bayreuth
Tiziana Boffa Ballaran studierte an der Universität Mailand (Italien) und wurde 1997 an der Universität Pavia promoviert. Seitdem war sie Mitarbeiterin an den Universitäten Biella (Italien), Cambridge (Großbritannien) und Bayreuth. Als Gastwissenschaftlerin forschte sie an den Universitäten Aveiro (Portugal), Århus (Dänemark) und Wroclaw (Polen).
Forschungsprojekt: Extremtests für maßgeschneiderte Kristalle
Die Physikochemikerin Dr. Ballaran hat sich auf Mineralien spezialisiert und erforscht, wie sich die Struktur von Mineralien in Abhängigkeit von Druck, Temperatur und Zusammensetzung verändert. Mineralien gelten als Beispiele für komplexe Materialien, deren Struktur sowie chemische und physische Eigenschaften äußerst vielfältig sein können. Die Erforschung ihres Verhaltens bei hohem Druck und hohen Temperaturen sowie ihre struktureigenen Beziehungen können entscheidende Informationen über die Eigenschaften und das dynamische Verhalten der Erde liefern. Dr. Ballaran plant zurzeit die Erforschung der lokalen Verzerrungen, die in Kristallstrukturen auftreten, wenn Atome einer bestimmten Größe und Ladung durch andere Atome mit einer anderen Größe und Ladung ersetzt werden, sowie den Einfluss der durch diese Verzerrungen entstandenen, elastischen Interaktionen auf die Anordnung der Kationen und die Phasentransformationen. Einblicke in diese Interaktionen auf verschiedenen Längenskalen sind durch eine Kombination aus Infrarotspektroskopie und Röntgendiffraktion möglich.
Anne Bouloumié
geboren 1968; (Frankreich), Fachgebiet: Physiologie
Gastinstitut: Institut für Kardiovaskuläre Physiologie, Universität Frankfurt am Main
Anne Bouloumié studierte an der Université Paul Sabatier in Toulouse (Frankreich) und wurde dort 1994 promoviert. Sie war als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Uniklinik der Universität Frankfurt/Main und zuletzt am Institut National de la Santé et de la Recherche Médicale (INSERM) in Toulouse tätig.
Forschungsprojekt: Therapieansätze gegen Fettsucht
Die Biologin Dr. Anne Bouloumié erforscht die Wachstumsprozesse des menschlichen Fettgewebes. Das Fettgewebe (oder die Fettmasse) stellt einen wichtigen Energiespeicher des Körpers dar. Zu viel Fettmasse - wie sie beispielsweise bei extrem übergewichtigen Menschen (Adipositas) angetroffen wird - kann jedoch zur Ausbildung von Krankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und zu Störungen der Reproduktionsfähigkeit führen. Adipositas wurde von der Weltgesundheitsorganisation WHO (Genf, 1998) als weltweite Epidemie eingestuft. Aus diesem Grund ist es notwendig, mehr über die Mechanismen zu erfahren, die der Entwicklung von Fettmasse zugrunde liegen. Es ist bekannt, dass für ein Gewebewachstum - sei es normal oder tumorös - eine gleichzeitige Bildung von Blutgefäßen (Neovaskularisation) notwendig ist. Bouloumiés Projekt basiert auf der Hypothese, dass Neovaskularisation auch für das adipöse Gewebewachstum erforderlich ist.
Bouloumié untersucht die Zellen, aus denen das Gefäßsystem der menschlichen Fettmasse gebildet wird. So charakterisiert und definiert sie die Stimulation, die die Zellen brauchen, um zu wachsen und neue Blutgefäße zu produzieren. Das Projekt wird Aufschluss darüber geben, ob eine Reduzierung der Neovaskularisation einen neuen Therapieansatz zur Behandlung von Adipositas darstellen könnte.
Luc Bovens
geboren 1961; (USA/Belgien), Fachgebiet: Wissenschaftstheorie
Gastinstitut: Zentrum Philosophie und Wissenschaftstheorie, Universität Konstanz
Luc Bovens studierte an der Katholischen Universität Leuven (Belgien) und wurde 1990 an der University of Minnesota, Minneapolis (USA) promoviert. Anschließend arbeitete er an der University of Boulder, Colorado (USA). 1998 wechselte er mit einem Forschungsstipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung an die Universität Konstanz und forschte seit 1999 im Department of Philosophy an der University of Boulder.
Forschungsprojekt: Philosophie aus dem Computer
Professor Bovens wendet Methoden aus der probabilistischen (auf Wahrscheinlichkeit basierenden) Modellbildung an, um philosophisch relevante Probleme zu lösen. Seine Arbeitsgruppe 'Philosophy, Probability, and Modeling' befasst sich mit interdisziplinären Grenzgebieten und untersucht dabei unter anderem folgende Fragen:
- im Bereich Erkenntnistheorie und Wissenschaftsphilosophie: Was kann man über Kausalbeziehungen aus probabilistischen Korrelationen lernen? Können das Testen wissenschaftlicher Theorien und der Prozess der Theoriewahl adäquat durch probabilistische Modelle beschrieben werden?
- im Bereich Logik und Informatik: Welche Faktoren bestimmen, ob wir Information aus nicht vollkommen zuverlässigen Quellen glauben? Können derartige Entscheidungsprozesse probabilistisch modelliert und auf Computern eingerichtet werden? Können Wahrscheinlichkeiten dazu verwendet werden, das Gewicht von Argumenten und Gegenargumenten für eine Hypothese zu charakterisieren?
- im Bereich Politische Philosophie und der Theorie der rationalen Wahl: Schätzen wir die Demokratie, weil die so erhaltenen Entscheidungen fair sind, oder weil die Entscheidungen eher korrekt sind als in alternativen Staatsformen? Welche Auswirkungen haben unterschiedliche Repräsentationsmodelle der Nationen in einem Parlament (wie dem der EU) auf die Wohlfahrtsverteilung in der Föderation? Können probabilistische Simulationen helfen, derartige Fragen zu klären?
Professor Bovens gibt die internationale Zeitschrift Economics and Philosophy jetzt von Konstanz aus heraus. Gemeinsam mit der Universität Bayreuth erwägen die Herausgeber der Zeitschrift einen Preis für besondere Leistungen auf dem Grenzgebiet von Philosophie und Wirtschaftswissenschaften auszuschreiben. Die Forschungsgruppe von Professor Bovens arbeitet eng mit dem Department of Philosophy der London School of Economics (LSE) zusammen. Neben einer Reihe von Aufsätzen hat sie bereits zwei Bücher publiziert. Sie hat einen Workshop, eine Tagung und eine Sommerschule zum Projektthema initiiert. Zwei weitere internationale Workshops werden in diesem Sommer stattfinden.
Stephane Charlot
geboren 1964; (Frankreich), Fachgebiet: Astrophysik
Gastinstitute: Max-Planck-Institut für Astrophysik, Garching, und Institut für Astronomie und Astrophysik, Universität München
Stephane Charlot studierte an der Université de Paris 7 (Frankreich) und wurde dort 1992 promoviert. Er war Mitarbeiter an der Universität Berkeley, Kalifornien, (USA) am Kitt Peak National Observatory, Tuscon, Arizona (USA) und am Space Telescope Institute, Baltimore, Maryland (USA). Seit 1995 war er Chargé de Recherche am Institut d'Astrophysique de Paris. 1998 erhielt er die Bronzemedaille des Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS).
Forschungsprojekt: Ein Stern entsteht
Wie und wann Sterne im Universum entstanden sind, ist eine von vielen Fragen, die Dr. Charlots Projekt beantworten soll: Der Franzose hat sich der Entstehung und Evolution von Galaxien verschrieben. Insbesondere widmet er sich der Interpretation von Galaxien-Spektren in Beobachtungsprojekten großen Maßstabs. Ausgangspunkt ist das umfangreiche Datenmaterial, das von verschiedensten internationalen Einrichtungen gesammelt wurde. Für die Interpretation des Materials entwickelte Charlot einen neuen Modellansatz, die so genannte "Advanced Stellar Population Synthesis".
Auch nach seiner Rückkehr nach Frankreich wird Dr. Charlot eine enge Verbindung mit dem MPA Garching aufrechterhalten, vor allem im Rahmen des European Research Training Network.
Volker Deckert
geboren 1965; (Schweiz/Deutschland), Fachgebiet: Spektroskopie
Gastinstitute: Institut für Angewandte Photophysik, Technische Universität Dresden und Institut für Spektrochemie und angewandte Spektroscopie Dortmund
Volker Deckert studierte an der Universität Würzburg, wo er 1994 promoviert wurde. Er war an der Kanagawa Academy of Science and Technology (KAST) in Kawasaki (Japan) und an der Universität Tokio (Japan) tätig und forschte im Laboratorium für Organische Chemie an der ETH Zürich (Schweiz). Jetzt in Dortmund fest angestellt, hält Deckert weiterhin den wissenschaftlichen Kontakt zu seinem ursprünglichen Gastinstitut in Dresden.
Forschungsprojekt: Nano-Lupen aus Licht
In den letzten Jahren ist der Trend hin zu immer kleineren Strukturen allgegenwärtig. In der Telekommunikation, der Computertechnik wie auch in der Biologie und Medizin geht es darum, immer kleinere Strukturen entweder herzustellen oder zu verstehen. Dr. Deckert versucht in seiner Forschung, mithilfe von optischen Verfahren ähnlich der Mikroskopie Informationen über die genaue Zusammensetzung von Materialien zu bekommen. Das Besondere und Neue ist die Möglichkeit mit sichtbarem Licht Informationen zu erhalten, die ansonsten nur mit Elektronenmikroskopen zugänglich sind. Erreicht wird dies durch Lichtquellen die so klein sind, dass die herkömmliche Strahlenoptik nicht mehr ausreicht um die speziellen Eigenschaften zu beschreiben. Dadurch sind zum Beispiel zerstörungsfreie Untersuchungen an lebenden Organismen möglich. Das Potenzial der Methode für Physik, Chemie und Biologie ist dementsprechend vielfältig. Langfristig könnte es mit dieser Methode beispielsweise möglich sein, einen DNS Strang direkt auszulesen.
Paolo D'Iorio
geboren 1963; (Frankreich/Italien), Fachgebiet: Geschichte der Philosophie
Gastinstitut: Fakultät für Philosophie und Literaturwissenschaft in Verbindung mit dem Graduiertenkolleg TEXTKRITIK, LMU München
Paolo D'Iorio studierte am Konservatorium Luigi Boccherini in Lucca (Italien) und an der Universität Pisa. 1994 wurde er an der Scuola Normale Superiore in Pisa promoviert. Im Anschluss war er als Mitarbeiter an der Universität Pisa und 1997/98 als Humboldt-Forschungsstipendiat in Berlin an der Technischen Universität und der Humboldt-Universität beschäftigt. Seit 1998 hat er eine Forschungsstelle am Institut des Textes et Manuscrits Modernes des Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS/ENS) in Paris inne.
Forschungsprojekt: HyperNietzsche lebt im Cyberspace
Dr. D'Iorios Forschung verbindet die Philosophie Friedrich Nietzsches mit Editionswissenschaft und neuen Medien. Sein Projekt HyperNietzsche hat das Ziel, eine Infrastruktur für kollektives Arbeiten in den Geisteswissenschaften zu schaffen. Es ermöglicht Wissenschaftlern, via Internet auf Primärquellen (Texte und Manuskripte) zuzugreifen, Aufsätze der Sekundärliteratur zu veröffentlichen und sie direkt mit den Primärquellen zu vernetzen. Darüber hinaus entwickelt Dr. D'Iorio ein System der Beitragsevaluation (Peer-Review) im Internet und erarbeitet eine Studie zu Urheberrecht und Copyleft im Zeitalter elektronischer Kommunikation.
HyperNietzsche kann bereits Manuskriptzonen, Faksimiles, Transkriptionen und Aufsätze verwalten und verfügt über ca. 10.000 digitalisisierte Manuskriptseiten Nietzsches, von denen rund 700 bereits online sind. Für die Veröffentlichung wissenschaftlicher Beiträge im Internet hat Dr. D'Iorio ein Lizenzmodell erarbeitet und in Zusammenarbeit mit der Stiftung Weimarer Klassik freien Zugriff auf Faksimiles der Handschriften Nietzsches im Internet ermöglicht.
Noch in diesem Jahr wird Dr. D'Iorio das Europäische Projekt Hyper-Learning beantragen. Es wendet die Struktur von HyperNietzsche auf andere Autoren und Disziplinen an und treibt damit die Entwicklung einer komplexen Forschungsinfrastruktur für das Internet voran. Partner des Projekts sind unter anderen die Schwedische Akademie der Wissenschaft, die Universitäten Bergen, Craiova, Dublin, Frankfurt, Leicester, Pisa, Plovdiv, die Pariser CNRS, MSH und INRIA, sowie die UNESCO.
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Oliver Eickelberg
geboren 1968; (USA/Deutschland), Fachgebiet: Medizinische Biochemie
Gastinstitut: Abteilung für Innere Medizin, Medizinische Klinik und Poliklinik 2, Universität Gießen
Oliver Eickelberg studierte an den Medizinischen Fakultäten den Universäten Lübeck, Wien (Österreich) und Basel (Schweiz) und wurde 1997 im Fachbereich Humanmedizin an der Universität Basel promoviert. Als Postdoctoral Fellow war Dr. Eickelberg am Departement Forschung der Universität Basel beschäftigt und wechselte 1998 mit einem Feodor Lynen-Stipendium der Alexander von Humboldt-Stiftung an die Yale University in New Haven, Connecticut. Er setzte seine Forschung an der Yale University School of Medicine in New Haven, Connecticut (USA) fort, wo er zuletzt im Department of Pathology tätig war.
Forschungsprojekt: Strategien gegen fibrotische Erkrankungen
Dr. Eickelberg untersucht Mechanismen, die zum Auftreten fibrotischer Erkrankungen führen, insbesondere in der Lunge. Solche Erkrankungen führen letztendlich zum Organversagen und sind zurzeit nicht oder nur unzureichend behandelbar. Er beschäftigt sich im Detail mit der Wirkung eines bestimmten Signalmoleküls, Transforming growth factor (TGF)-ß, dessen Wirkung entscheidend zum Auftreten von Erkrankungen mit fibrotischer Komponente beiträgt. Während Dr. Eickelberg bereits entscheidende Mechanismen in der Signaltransduktionskette von TGF-ß identifizieren konnte, besteht ein Großteil seiner aktuellen Forschung in der Identifizierung von Substanzen und Mechanismen, die effiziente Strategien in der Behandlung von fibrotischen Erkrankungen darstellen können.
Michael Feiginov
geboren 1971; (Russische Föderation), Fachgebiet: Physikalische Elektrotechnik
Gastinstitute: Institut für Hochfrequenztechnik, Technische Universität Darmstadt und Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik, Technische Universität Chemnitz
Michael Feiginov studierte am Moskauer Institut für Physik und Technologie (Russische Föderation) und wurde 1999 am Institut für Radioingenieurwesen und Elektronik (IRE) der Russischen Akademie der Wissenschaften promoviert. Für diese Arbeit erhielt er das russische Staatsstipendium für junge Wissenschaftler. Er war zuletzt wissenschaftlicher Mitarbeiter am IRE der Russischen Akademie der Wissenschaften in Moskau (Russische Föderation).
Forschungsprojekt: Aus der Weltraumforschung in die Medizin
Dr. Feiginov forscht im Bereich der Hochfrequenztechnologie und untersucht die Physik von Halbleiterbauelementen. Früher waren elektromagnetische Strahlen im Terahertzbereich vor allem für die Weltraumforschung von Interesse, aber in der letzten Zeit sind auch Anwendungsmöglichkeiten in der Medizin und in anderen Bereichen entstanden. Dr. Feiginov möchte im geplanten Projekt neue Terahertz-Strahlenquellen entwickeln. Er konzentriert sich dabei besonders auf die so genannten photonischen Bandgap-Strukturen, mit denen Materialeigenschaften, insbesondere die Eigenschaften biologischer Materialien und biologischer Zellen, gemessen werden können. Die vielversprechendsten Quellen, mit denen sich Dr. Feiginov beschäftigt, sind resonante Tunneldioden (RTDs), Tunnel-Schottky-Kontakte und so genannte Photomixer.
Es wurde vorausgesagt, dass bestimmte Tunnel-Schottky-Kontakte mit 2D-Kanälen eine negative differentielle Leitfähigkeit haben können. Solche Strukturen versprechen eine Reihe interessanter Effekte und Anwendungsmöglichkeiten, sodass Dr. Feiginovs Projekt jetzt in in die experimentelle Phase übergeht
Michael Gotthardt
geboren 1969; (USA/Deutschland), Fachgebiet: Medizinische Biochemie
Gastinstitut: Forschungsgruppe Molekulare Medizin, Experimentelle Gentherapie und Lipidstoffwechsel, Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin, Berlin
Michael Gotthardt studierte an der Universität Heidelberg und an der Humboldt Universität Berlin, wo er 1997 promoviert wurde. Er forschte an der University of Texas Southwestern Medical Center at Dallas, Texas (USA), und war zuletzt am Department of Veterinary and Comparative Anatomy, Pharmacology, and Physiology (VCAPP) an der Washington State University in Pullman, Washington (USA), tätig.
Forschungsprojekt: Proteingerüst im Herzen und Skelettmuskel
Titin ist das größte Protein im menschlichen Körper und bildet ein elastisches Gerüstsystem in Herz- und Skelettmuskel. Durch seine molekulare Struktur kann Titin wie eine Sprungfeder gedehnt werden und ermöglicht dadurch Muskelzellen, effektiv zu arbeiten. Patienten mit verändertem Titin entwickeln eine Herzerkrankung, bei der die Pumpfunktion eingeschränkt ist. Aufgrund der Größe des Moleküls ist Titin nicht einfach zu bearbeiten. Dr. Gotthardt hat Mausmodelle erzeugt, mit denen sich Titin im lebenden Organismus modifizieren und sowohl strukturell als auch funktionell analysieren lässt. Diese Titin - defizienten Tiere sind Grundlage zur Entwicklung von medikamentösen, zellulären und genetischen Therapien von Herz- und Muskelschwäche. Am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in Berlin-Buch wird Dr. Gotthardt die Funktion von Titin in der Detektion und Weiterleitung von mechanischen Signalen (Muskeldehnung) untersuchen. Die Ergebnisse seiner Arbeitsgruppe werden dazu beitragen, die Entstehung und den Verlauf erblicher Muskel- und Herzerkrankungen zu verstehen und neue Therapiestrategien zu entwickeln.
Stefan Hecht
geboren 1974; (USA/Deutschland), Fachgebiet: Makromolekulare Chemie
Gastinstitut: Institut für Chemie / Organische Chemie, Freie Universität Berlin
Stefan Hecht studierte an der Humboldt-Universität Berlin und wurde 2001 an der University of California in Berkeley, Kalifornien (USA) promoviert.
Forschungsprojekt: Molekül-Baukasten für die Nanofabrik
Dr. Hecht ist von der Idee, chemische Prozesse auf der Größenordnung einzelner Moleküle zu untersuchen, bereits seit langem fasziniert. Er entwickelt molekulare Komponenten für einen nanometer-großen Baukasten, mit dessen Hilfe wohldefinierte und sehr kleine Strukturen erzeugt werden können. In dem laufenden Projekt synthetisieren Hecht und seine Gruppe Polymere (Molekülketten). Diese werden gefaltet und chemisch vernetzt und ergeben diskrete helicale Röhren kontrollierter Dimension und Funktionalität. Weitere Manipulation mithilfe modernster physikalischer Instrumente dient dazu, die synthetisierten Nanoobjekte räumlich anzuordnen und chemische Reaktionen örtlich kontrolliert einzuleiten. Auf diese Weise generieren die Forscher Muster im Bereich von wenigen Nanometern. Dieser "von unten aufbauende" Ansatz zur Nanofabrikation kann langfristig zu einer breiten Palette von Anwendungen führen - von Schaltkreisen für Zukunftscomputer über leistungsfähige Datenspeicherungselemente bis zu extrem empfindlichen Detektoren. Die Ergebnisse werden darüber hinaus neue Einblicke in die Welt der Chemie liefern.
Daniel Hofstetter
geboren 1966; (Schweiz), Fachgebiet: Laser und Optoelektronik
Gastinstitut: Abteilung Optoelektronik, Universität Ulm
Daniel Hofstetter studierte an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich (Schweiz). Er arbeitete er am Paul Scherrer Institut in Zürich und wurde 1996 an der Universität Neuchâtel (Schweiz) promoviert. Als Postdoctoral Fellow arbeitete Hofstetter zwei Jahre am XEROX Research Center in Palo Alto, Kalifornien (USA) und anschließend an der Universität Neuchâtel. 1997 erhielt er für seine Dissertation den Preis der schweizerischen Physikalischen Gesellschaft.
Forschungsprojekt: Surfen auf dem Strahl aus Licht
Laser für die Telekommunikation, Druckverfahren und Umweltsensorik gehören zu den Produkten, die Dr. Hofstetter in seinem Projekt entwickeln will. Der Schweizer konzentriert sich besonders auf die Entwicklung so genannter "Wide Bandgap Semiconductor Devices". Diese können entweder als Interband-Halbleiterlaser mit violettem Wellenlängenbereich oder als Intersubbandlaser im nahen oder mittleren Infrarotstrahlenbereich konfiguriert sein. Während die Violettlaser vor allem für die optische Datenspeicherung und das Laserdrucken interessant sind, sind die Laser im nahen Infrarotbereich besonders wichtig für die Telekommunikation. Der mittlere Infrarotstrahlenbereich schließlich wird in der Umweltsensorik, Prozesssteuerung oder für die Analyse biologischer Flüssigkeiten verwendet.